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Umgang mit gehörlosen / tauben / gebärdensprachlichen Menschen

Tipps besonders für Pfarrer:innen, die keine Gehörlosenseelsorger:innen sind.

Wir stellen hier natürlich v.a. die Situation in der Evangelisch-Lutherischen Kirche in Bayern - ELKB dar. Die Situationen in anderen Landeskirchen und Ländern weicht davon z.T. erheblich ab. Wir wollen Sie mit diesen Tipps unterstützen, wenn sich in Ihrer „hörenden“ Gemeinde Kontaktpunkte mit gebärdensprachlichen Menschen ergeben, weil hörende Familienmitglieder betroffen sind.

Situation der gebärdensprachlichen Kirchengemeinde in Bayern

In der Regel feiern gehörlose / taube Menschen gebärdensprachliche Gottesdienste in den Gemeindeteilen (Sprengeln) der Gebärdensprachlichen Kirchengemeinde in Bayern.

Bei Kasualien (Taufen, Konfirmationen, Trauungen und Beerdigungen) sind taube Menschen sozusagen Gast im hörenden Gottesdienst. Sie können das gottesdienstliche Geschehen für taube Menschen wenigstens teilweise erlebbar machen, wenn Sie wichtige Aspekte im Vorfeld beachten.

Bitte beachten Sie auch das Langzeit-Projekt „Dolmetschen bei Kasualien“ der Evangelischen Kirche in Deutschland - EKD, das Sie auf unserer Homepage in diesem Bereich unter Dolmetschen finden. Im Rahmen dieses Projektes können Sie nicht immer, aber häufig Gebärdensprachdolmetscher:innen einsetzen und die Kosten über uns auf Bundesebene (EKD) abrechnen lassen. Einzige Bedingung ist, dass es eine EKD-Veranstaltung ist. Bitte kommen Sie aber in allen anderen Fällen trotzdem auf uns zu, wir können mit Ihnen zusammen kompetent und mit unseren Erfahrungen die Finanzierungsmöglichkeiten erörtern.

Gebärdensprachliche Grundsätze

  1. Ohne Gebärdensprache geht es nicht! Das lang anhaltende Gerücht, taube Menschen könnten alles vom Mund ablesen, müssen wir im kirchlichen Kontext als falsch bezeichnen. Freilich sind taube Menschen darin geübt, können aber nur ca. 30% erfassen. Als Kirche des Wortes können wir uns damit kaum zufrieden geben.
  2. Auch tauben Menschen alles als Text auf Papier zu geben ist wenig hilfreich. Taube Menschen sind visuell geprägt, Gebärdensprache ist ihre Muttersprache (auch wenn die Eltern ggf. nicht gebärdensprachlich kommunizieren). Schon die Lautsprache ist eine erste Fremdsprache, die Textsprache noch mehr. Stellen Sie sich vor, sie bekommen einen Gottesdienst auf Papier in chinesischen Schriftzeichen - nicht besonders hilfreich und weit entfernt von dem, was wir in der Kirche wollen!
  3. Dolmetscher:innen sind immer eine indirekte Kommunikation. Von der Qualität der Dolmetscher:innen hängt die Informationsvermittlung ab. Erfahrene kirchlich ausgebildete Dolmetscher:innen können Ihre Gedanken adäquat übermitteln. In Deutschland gibt es insgesamt zu wenige gebärdensprachliche Dolmetscher:innen. Nicht alle haben eine Zusatzqualifikation für Dolmetschen im kirchlichen Raum erworben. Deshalb geben wir Ihnen gerne unsere Erfahrungen weiter und sprechen Empfehlungen aus.
  4. Die erste Wahl wird deshalb immer ein direkter gebärdensprachlicher Kontakt von Kirche durch gebärdensprachliche Pfarrer:innen und Mitarbeiter:innen sein. Darum sind wir auch sehr bemüht, stoßen aber sehr an unsere personellen Grenzen. Deshalb geht es manchmal nicht ohne Dolmetscher:innen. Wir respektieren und schätzen deshalb auch im kirchlichen Raum sehr die Arbeit von Dolmetscher:innen und arbeiten gern mit einer großen Anzahl von ihnen zusammen.
  5. Für taube Menschen bedeuten lange Reden eine hohe Konzentrationsanstrengungen, da das Auge schneller ermüdet als das Ohr. (Sind wir ehrlich: Hörende Menschen auch!) Von der Bildhaftigkeit einer Predigt und der Qualität von Dolmetscher:innen hängt viel ab.
  6. Lichtverhältnisse sind sehr entscheidend. Abgelesen werden kann vom Mund in einer Entfernung von mehr als 5 Meter max. 30%, schlechte Lichtverhältnisse verringern diese Prozentzahl erheblich, schlechtes Mundbild ebenso. Die Gebärdensprache kann dagegen zur vollen 100% Übertragung beitragen. Aber auch hier sind die Lichtverhältnisse entscheidend. Deshalb achten Sie bitte besonders auf gute Lichtverhältnisse. Sowohl Sie als auch Dolmetschende müssen durch Licht angestrahlt sein. Bitte stellen Sie sich nicht mit dem Rücken vor ein Fenster, da die Lichteinstrahlung von hinten zu Blendung führt und ein Ablesen/Absehen (auch bei Dolmetscher:in) unmöglich macht.
  7. Sie müssen nicht übertrieben langsam reden, aber bitte auch nicht zu schnell. Einige Tipps zur Rhetorik:
    • keine verschachtelten Sätze, sondern klare aktive Aussagen
    • wir Hörenden erklären erst und kommen dann auf den Punkt. Bei vielen visuellen Menschen ist es genau anders herum. Zuerst kommt der Punkt bzw. das Thema und dann wird erklärt. D.h. Sie erleichtern das Verständnis, wenn Sie das Thema zu Beginn angeben. Wichtig ist vor allem Klarheit der Gedanken und Klarheit der Bezüge. Hier können wiederholende Hinweise Hilfen sein („zurück zu …“ oder „wir denken nochmal an den Verstorbenen“.) Es sollte immer klar sein, um was es gerade inhaltlich geht.
    • Redewendungen sind kein Problem, Dolmetscher:innen übersetzen das in Gebärdenredewendungen
    • Gebete sollten eher langsam gesprochen werden, so kann der Gottesbezug visuell besser aufgenommen werden. Das gilt z.B. auch für das Vaterunser.
    • Lieder sind in der Regel für taube Menschen nur in Gebärdenform empfindbar.
  8. Damit Dolmetschende alle diese Besonderheiten angemessen berücksichtigen und sich entsprechend vorbereiten können, ist es üblich, dass alle Inhalte der Veranstaltung mindestens 24 Stunden vor dem Einsatz schriftlich an die Dolmetschenden weitergegeben werden. Andernfalls gefährden wir die Chance einer vollständigen Übermittlung aller Inhalte, was nicht unser Ziel sein kann.
  9. Bitte beachten Sie immer, dass taube Teilnehmer:innen Sie und die Dolmetschenden anschauen können. Bitte drehen Sie sich nicht mit dem Rücken zu den Besucher:innen (z.B. um zu beten), senken Sie nicht zu oft den Kopf und versuchen Sie die Augen direkt auf die Besucher:innen zu richten. So halten Sie den „visuellen“ Kontakt. Alles andere führt zum Abbruch des visuellen Kontaktes und damit zum Abriss der inhaltlichen Verkündigung.
  10. Gerne beraten wir Sie persönlich, individuell und auf Ihren besonderen Anlass angepasst. Das kann telefonisch erfolgen und mit wenig Zeitaufwand für Sie. Die Beratung ist für Pfarrer:innen der ELKB kostenlos. Wir sind häufig auch in der Lage Ihnen geschulte Mitarbeiter:innen zur Seite zu stellen.

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